Wortschatz gefunden!

Verschwiegen, verschwunden, vergessen…

Auch Wörter sind vom Aussterben bedroht. Manch ein Kleinod der deutschen Sprache musste schon einem Modeausdruck weichen. Andere Begriffe verschwanden mit dem Gegenstand, den sie bezeichneten. Ich habe mich für euch mal durch die Welt der Worte gewühlt und den Staub von so manchen Schatz gepustet…

AFFENSCHAUKEL: So viel ist sicher – in Affenschaukeln haben Affen nie geschaukelt. Mit diesem bildhaften Begriff beschrieb man einst eine Frisur, bei der zwei geflochtene Zöpfe an den Seiten zu Schlingen hochgesteckt wurden. Das sah ziemlich brav aus. An → Schabernack war da nicht mehr zu denken…

BANDSALAT, der: Igitt – der Bandsalat war widerlich! Früher nämlich, als es noch keine CD- und MP3-Player gab, bezeichnete man so das Verheddern des Tonbandes im Kassettenrekorder. Manchmal ließ sich das Band zwar noch ohne Riss aus dem Gerät retten und mithilfe eines Bleistiftes wieder aufspulen. Meist leierte die Kassette aber hinterher – und landete im Müll. Seltener gab es auch Bandsalat im → Videorekorder.

BLÜMERANT: Sollten ältere Personen in eurem Umfeld seufzen, ihnen werde ganz blümerant, dann stellt → dalli ein Glas Wasser bereit. Denn Blümerant heißt nichts anderes als schwindelig. Seine Wurzeln liegen im französischen „bleu mourant“, das übersetzt ein blasses, verwaschenes Blau beschreibt – und die Gesichtsfarbe jener Menschen, denen ein Schwindel die Sicht trübt.

DALLI: Dutzi, dutzi, dalli, dalli! – zugegeben, das klingt ein wenig nach Babysprache. Dabei war Dalli 1971 sogar Namensgeber für eine → urste Fernsehshow! Seine Wurzeln hat dalli im Polnischen: „Dalej“ bedeutet übersetzt so viel wie „Los! Weiter!“. Im Deutschen benutzte man es daher also anstelle von „Schnell“.

FAMOS: prächtiges Adjektiv für … genau: prächtig. Sein Ursprung ist lateinisch: „Famosus“ bedeutet „berühmt, berüchtigt“.

GASSENHAUER, der: hatte nichts mit einem gewalttätigen → Malefiz zu tun und beschränkte seine Angriffe auf den Gehörgang. So nämlich nannte man einen vielfach durchgenudelten Schlager, bei dem jeder, wirklich jeder mindestens den Refrain fehlerfrei mitträllern konnte. Bisweilen war der Gassenhauer auch in der → Hitparade vertreten.

HITPARADE, die: sagen vielleicht noch eure Eltern oder Großeltern. Euch dürften die „Charts“ geläufiger sein.

HUMBUG, der: stammt vom englischen „humbug“ – was übersetzt in etwa brummende Wanze bedeutet – und meint Sinnlosigkeiten aller Alt, siehe → Nasenfahrrad. Humbugs Herkunft ist allerdings unbekannt.

KLEINOD, das: Dieses Wort ist ein echter Sprachschatz. Im Jahre 2007 wurde es in einem Wettbewerb zum schönsten aller bedrohten deutschen Wörter gewählt. Es bezeichnet – ganz allgemein – Kostbarkeiten, wie z.B. edlen Schmuck. Im Mittelalter nannte man so auch die Zierde am Ritterhelm.

KRATZFUSS, der: juckt nicht, pikst nicht und ist auch nicht ansteckend. Veraltete Bezeichnung für eine Verbeugung von Männern und Jungen, der ein Ausfallschritt voranging.

LARIFARI, das: belangloses Geschwätz. Klingt so hübsch, weil es sich aus den italienischen Tonsilben la, re, fa zusammensetzt.

MALEFIZ, das: ein Begriff aus dem Lateinischen: „Maleficium“ heißt übersetzt „schlechte Tat“. Schon im 14. Jahrhundert wurden schwerwiegende Verbrechen so genannt; 1959 ein Brettspiel. Und auch die böse Fee im Märchen „Dornröschen“ trug diesen Namen. Trotz ihrer Kräfte konnte sie das Wort aber nicht vor dem Dornröschenschlaf bewahren…

NASENFAHRRAD, das: war wirklich das blödeste Scherzwort, das je für Brille erfunden wurde – völliger → Humbug eben!

OMNIBUS, der: einer „für alle“ – der Omnibus! Genau das heißt der lateinische Begriff in seiner Übersetzung. Mit der Zeit rauschte ihm allerdings das „Omni“ davon. Übrig blieb der Bus.

PAPPENSTIEL, der: Kommt meist in der Redewendung „Das ist kein Pappenstiel“ (= Das ist keine Kleinigkeit) aus dem 17. Jahrhundert vor. Verkürzung des Wortes Pappenblumenstiel. Die Pfaffenblume (niederdeutsch: pãpenblõme) wiederum ist heute besser als Löwenzahn oder Pusteblume bekannt – und genoss scheinbar kein großes Ansehen. Womöglich, weil die vom Winde verwehten Blütenpollen einen kläglich-kahlen Stängel zurück ließen.

QUACKSALBER, der: Man nehme das niederländische „kwacken“ (= schwatzen) und verbinde es mit dem gleichfalls niederländischen „zalven“ (= salben), heraus kommt der „Kwackzalver“, Quacksalber. Ein prahlerischer Salbenverkäufer, der einst auf Märkten seine vermeintlichen Wundermittel feil bot. Später wurden gern auch schludrige Ärzte oder Heilpraktiker so betitelt.

RATZEFUMMEL, der: hat weder mit ratzen (= schlafen) noch mit fummeln zu tun, sondern war ein gängiger Begriff für den Radiergummi, als eure Eltern in die Schule gingen.

SAPPERLOT: „zum Donnerwetter“, „zum Kuckuck“! Warum nur gerät dieses → famose Fluchwort in Vergessenheit? – Seine Urheber waren vermutlich die Franzosen: Sapperlot leitet sich wohl von „sacrelot“ für „heiliges Los, heilige Bestimmung“ ab.

SCHABERNACK, der: beschreibt listige wie lustige Streiche, gern übermütiger Art – allerdings ohne, dass jemand zu Schaden kommt. Wo das vom mittelhochdeutschen „schabirnack“ und vom mittelniederdeutschen „schavernack“ abstammende Wort seine Wurzeln hat, ist ungeklärt.

TOHUWABOHU, der: macht seinem hebräischen Ursprung gar keine Ehre. „Tohû wa vohû“ heißt übersetzt „wüst“ und „leer“. Tohuwabohu dagegen beschreibt Chaos, Durcheinander, völligen Wirrwarr.

URST: Klingt wie ein Rülpser? Oder nach Schluckauf? Beides falsch! Das ostdeutsche Wörtchen heißt ungefähr so viel wie „cool“, „krass“ oder auch – „sehr“. Seit den 1990er Jahren aber – nach der Vereinigung von DDR und BRD zu Deutschland – nahm sein Gebrauch rapide ab. Urst schade!

VIDEOREKORDER, der: im Duden als „Speichergerät für Fernsehsendungen“ erklärt. Durch DVD-Spieler und TV-Sticks vom Aussterben bedroht.

ZASTER, der: hat eine große Familie: Moneten, Kröten, Mäuse, Moos, Asche, Flocken, Knete, Kies, Pinke, Piepen, Penunzen und viele mehr. All diese Sprach-Omas und -Opas stehen für: Geld. – Den Zaster haben wir uns von den Sinti und Roma entliehen. Er geht auf deren Wort für Eisen zurück – „sáster“.

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Wer noch einige andere schöne Wortschätze kennt, bitte im Kommentarbereich ergänzen…

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One thought on “Wortschatz gefunden!

  1. Schöne Wortschatz-Sammlung! Und ich kenne sie alle sogar 😀
    Gehört „Schallplatte“ eigentlich auch schon dazu? Ansonsten fällt mir noch ein: maulaffenfeil, Kurpfuscher, Konterfei, Mumpitz – ich spare mir die Erklärungen, findet man alles im www 😉
    Beste Grüße
    Temari

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