Wie kommt die Laus auf die Leber?

Tierische Redensarten

Warum steckt der Frosch im Hals? Und was passt auf keine Kuhhaut? – Viele unserer Sprüche und Redensarten drehen sich um Tiere. Wieso eigentlich? Oft gibt es mehrere Erklärungen. Die Pusteblume hat die lustigsten herausgefischt.

Ich habe einen Frosch im Hals

So sagt man, wenn man eine heisere Stimme hat. Ärzte wissen, warum: Sie haben lateinische Namen für alle Teile unseres Körpers. Bei kleinen Kindern bildet sich oft unter der Zunge eine ganz kleine Blase, die den lateinischen Namen „ranula“ trägt – übersetzt: Fröschlein. Zwar liegt diese Blase im Mund und nicht im Hals und ist auch nicht für Heiserkeit verantwortlich, aber der Spruch hat sich trotzdem durchgesetzt. Übrigens auch bei den Engländern: „to have a frog in the throat“, einen Frosch im Rachen haben.

Das kann doch kein Schwein lesen

So flucht man, wenn etwas sehr undeutlich geschrieben ist. Doch dieser Spruch hat nichts mit vierbeinigen Schweinen zu tun, sondern mit einer Gelehrtenfamilie aus Schleswig namens „Swyn“ (was auf Plattdeutsch auch Schwein heißt). Die Swyns lebten im 17. Jahrhundert, als viele Bauern noch nicht lesen und schreiben konnten. Also halfen die Swyns den Bauern bei deren Papierkram. Manchmal aber konnten selbst die Swyns einen Brief nicht entziffern. Dann sagten die Bauern in ihrem Dialekt: „Dat kann keen Swyn lesen.“

Du Frechdachs!

Na, schon mal so genannt worden? Dabei ist ein Dachs eigentlich ein sehr gemütliches Tier. Er frisst gern und hält lange Winterruhe. Wenn aber ein Jagdhund versucht, in den Bau einzudringen, wehrt sich der Dachs: Er beißt und kratzt. Junge Dachse wehren sich besonders heftig. Deshalb sagen die Erwachsenen zu aufmüpfigen Kindern: „Du Frechdachs!“

Da bekommt man ja eine Gänsehaut

Wenn einem kalt ist oder man sich erschreckt, stellen sich unsere Körperhaare auf und bilden lauter winzige Hügel unter der Haut. Die sieht dann aus wie die einer gerupften Gans. Franzosen fühlen sich eher an anderes Federvieh erinnert. Sie sagen: „avoir la peau de poule“ – eine Hühnerhaut haben.

Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?

„Hast du schleche Laune?“ bedeutet das. Die Leber liegt bei Menschen rechts unter den Rippen. Früher dachten die Menschen, dass dort der Sitz der Gefühle sei – also auch die „Heimat“ der schlechten Laune. Und die Laus? Eine Laus ist winzig und bedeutet in diesem Fall, dass der Grund für die miese Stimmung nicht unbedingt groß sein muss.

Sie hat doch einen Vogel!

Klar, was das heißt: Die spinnt wohl! Doch was können Amsel, Drossel, Fink und Star dafür? Natürlich nichts. Aber früher dachten die Leute, dass bei verrückten Menschen Vögel im Kopf nisten. Dieser Glaube führte gleich zu mehren Sprüchen: „Bei dir piept’s wohl!“ oder „Du hast ’ne Meise!“

Er hat mir einen Bären aufgebunden

Das heißt, dass jemand einen anderen angeflunkert hat. Aber was haben Lügen mit Bären zu tun? Die Erklärung stammt aus einer Zeit, in der es in Europa noch Bären gab. Wer eines der Raubtiere erlegte, wurde bewundert. Deshalb schwindelten viele Jäger, wenn sie von der Jagd heimkehrten. An einen Bären, die gefährlichste Beute, hatten sie sich in Wirklichkeit nicht herangetraut.

Ich bin auf den Hund gekommen

So klagt jemand, dem es schlecht geht – auch wenn er gar keinen Vierbeiner besitzt. Dieser Spruch kommt daher, dass früher auf den Boden von Geldtruhen ein Hund gemalt war, als Zeichen des Schutzes. Wenn das Bild zum Vorschein kam, war das Geld allerdings aufgebraucht – und der Hausherr auf den Hund gekommen.

Das geht auf keine Kuhhaut!

Man könnte auch sagen: „Das ist doch nicht zu fassen!“ – Die Redensart stammt aus dem Mittelalter. Damals glaubten die Menschen, dass der Teufel alle Sünden aufschreibe. Weil es zu jener Zeit kaum Papier gab, schrieb man auf die Haut von Kälbern und Schafen. Wenn also die Sünden eines Menschen nicht mal auf eine Kuhhaut passten, die ja ganz schön groß ist, dann war er ein echter Schurke.

Immer bekommt sie den Löwenanteil

Gemein, wenn eine Freundin bei Geburtstagen jedes Mal das größte Stück Torte absahnt. Der Spruch geht zurück auf eine Tierfabel des alten Griechen Äsop: Ein Löwe, ein Esel und ein Fuchs gehen gemeinsam auf die Jagd. Als der Esel aus der Beute drei gleiche Teile macht, schlägt der Löwe ihn nieder. Daraufhin befiehlt er dem Fuchs, die Beute zu teilen. Der Fuchs bietet dem Löwen alles an. Da fragt der Löwe lachend: „Wer hat dich so schön teilen gelehrt?“ – Der Fuchs antwortet: „Das Schicksal des Esels!“

Aus heutiger Sicht sollte die Frage lauten: „Wann erkennt das Volk angesichts seiner Regierung endlich, dass es selber weder Esel noch Fuchs noch Löwe sein sollte, sondern … derjenige, welcher die Regierung beherrscht?!!“

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