Aus unserem Netzwerk: Die dubiosen Lieferanten der Biobranche in Kolumbien

Vertreibung für deutsche Bioprodukte

http://oekologisch.wordpress.com/2010/04/20/die-dubiosen-lieferanten-der-biobranche-in-kolumbien/

Im Grunde ernähren wir uns gerne gesund und, wenn es sein muss, zahlen wir auch ein bisschen mehr als beim Lebensmitteldiscounter. Und wenn uns dann noch versprochen wird, die Produkte seien nicht nur gesund, sondern auch noch unbedenklich hergestellt, also ohne die Umwelt zu schädigen, gerechte Löhne und dergleichen – ja dann haben wir auch noch ein gutes Gewissen. Zu Recht? Nicht ganz, wir haben uns mal die Herstellung von Palmöl angesehen.

Das ist zum Beispiel in diesen Lebensmitteln drin: Zum Beispiel hier in dieser Haselnuss-Schokocreme, oder hier in dieser Fertigsuppe und auch in den Tortellini oder in dieser Margarine. Wenn sie den Bericht von Nicola Timm und Thomas Reutter gesehen haben, ist es mit dem guten Gewissen allerdings schnell vorbei (zur Aufzeichnung der Sendung).

Bericht:

Kolumbien im Juli 2009. Räumtrupps zerstören die Siedlung Las Pavas. 500 Menschen – auch Kinder und schwangere Frauen – werden vertrieben. Jammer zeigt uns, wo er und seine Familie gelebt haben, bevor sie vertrieben wurden.

O-Ton, Jammer Martin Banjus, Farmer:

»Ich bin traurig, weil wir nicht da sind, wo wir hingehören. Das ist das Land, wo wir unsere Ernte eingeholt haben, um unsere Familien zu ernähren. Und wir bitten Gott und die Regierung, dass sie uns dieses Land zurückgeben, damit wir wieder ernten und unsere Kinder ernähren können. Wo sonst, wenn nicht hier.«

Verbrannte Erde. Bisher wurde hier Kakao angebaut. Doch ein multinationaler Konzern brennt das Land ab und nimmt den Kleinbauern ihre Lebensgrundlage.

O-Ton, Misael Payares, Sprecher der Kakaobauern:

»Hier werden sie überall Ölpalmen anbauen. Sie lassen nichts stehen. Alles kommt weg. Die Bäume da hinten auch noch. Wo die Palmen anbauen, lassen sie nichts anderes mehr stehen.«

Riesige Monokulturen des Daabon Konzerns. Ein Gigant auf dem Weltmarkt der industriellen Landwirtschaft. Palmen für biologisches Öl. Ein Rohstoff ausgerechnet für Bioprodukte, zum Beispiel von Alnatura. Palmöl in Bio-Brotaufstrichen. Palmöl in Bio-Snacks. Palmöl in Bio-Müsli. Daabon-Palmöl aus Kolumbien, auch für Allos.

O-Ton, Werbevideo:
»Allos – Naturkost für Genießer erhältlich in Ihrem Bioladen.«

Und auch die Kultbiomarke Rapunzel verwendet Daabon-Palmöl, zum Beispiel im beliebten Schokoaufstrich Samba. Die Rapunzel AG verkauft die Weltanschauung „Bio und Fair“, für das reine Gewissen und gibt sich als Kämpfer für: Eine gerechte und lebenswerte Welt.

O-Ton, Joseph Wilhelm, Vorstand, Rapunzel Naturkost AG, Werbevideo:

»Rapunzel hat sehr starke Visionen, auch in die Zukunft hinein, also in Richtung Globalisierung, in Richtung Gleichberechtigung der Menschen, die auf diesem Planeten leben.«

Doch die Wahrheit dahinter sieht anders aus. Ein von Daabon bezahltes Räumkommando zerlegt die Siedlung mit Hilfe einer Sondereinheit der Polizei. Dabei wirbt Daabon mit „Sozialverträglichkeit“. REPORT MAINZ gegenüber sagt die Firma, die Räumung sei „legal“. Daabon sei rechtmäßiger Eigentümer.

Wir fragen nach bei der örtlichen Menschenrechtsbehörde der kolumbianischen Staatsanwaltschaft. Hier melden die Menschen Landvertreibungen und andere Verbrechen. Der Fall Las Pavas beschäftigt nun sogar den obersten kolumbianischen Gerichtshof, eingeschaltet von der Behörde.

O-Ton, Esperanza María Ramírez, Menschenrechtsbehörde:

»Wir meinen, dass das nicht legal war. Das verstößt gegen das Gesetz und vor allem aber verletzt es die Rechte der Menschen, die da gewohnt haben.«

.

Seit Februar befasst sich sogar die UNO mit dem Fall Las Pavas. Trotzdem: Die deutschen Firmen sahen bislang keinen Anlass etwas zu ändern: Alnatura, Rapunzel und Allos verweisen auf Gütesiegel und Zertifikate von Daabon. In ihren Stellungnahmen für REPORT MAINZ heißt es, jetzt werde man den Fall Las Pavas „beobachten“, so Alnatura, „diskutieren“, meint Rapunzel, und den Vorwürfen „nachgehen“, sagt Allos.

Dabei war Daabon als Umweltsünder schon seit Jahren bekannt, sogar gerichtlich verurteilt. 2008: zweimal läuft Daabon-Palmöl in die Karibik, verseucht Meer und Korallenriffe. Eine Umweltkatastrophe. Ein Arbeiter stirbt, zehn werden verletzt. 2009: Daabon holzt für diese Bananen-Plantage den Regenwald ab, illegal. Fehler räumt der Konzern bis heute nicht ein.

Ein Gottesdienst für Vertriebene von Las Pavas. Sie sind im Nachbarort untergekommen, vorübergehend. Doch jetzt droht ihnen eine neue Gefahr. Die Bauern zeigen uns: Daabon lässt schwere Maschinen auffahren. Ein Damm wird gebaut, damit die Palmplantagen in der Regenzeit nicht überflutet werden.

O-Ton, Misael Payares, Sprecher der Kakaobauern:

»Das ganze Wasser, das den Fluss herunterkommt, wird dann zu uns geleitet und die Dörfer werden unter den Folgen zu leiden haben.«

Die Familien haben Angst, dass ihre Siedlungen bei starkem Regen nun überschwemmt werden. Klaus Schenk von „Rettet den Regenwald“ hat bei den Naturkost-Herstellern schon 2009 Alarm geschlagen.

O-Ton, Klaus Schenck, Rettet den Regenwald e.V.:

»Wir fordern, dass sie generell ihre Lieferanten sehr viel genauer überprüfen, sich das auch, wenn sie langjährige Lieferungen haben, vor Ort wiederholt und genau anschauen und im gegebenem Fall, wie bei der Firma Daabon, sich sehr genau überlegen, ob sie nicht vielleicht die Geschäftsbeziehungen besser abbrechen.«

Landvertreibung für Palmöl. Palmöl für deutsche Bioprodukte. Wann endlich setzen die Hersteller ihre eigenen Ansprüche um?

Quelle: http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=5994910/1yidbpq/index.html

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One thought on “Aus unserem Netzwerk: Die dubiosen Lieferanten der Biobranche in Kolumbien

  1. Tja, das ist generell das Problem des Herdentriebes. Wo sich Millionen drauf stürzen, dort wächst kein Gras mehr. Das gilt für Fremdenverkehr genauso wie für Mode- oder Essens- Trends …
    Das Grundproblem ist, dass kaum jemand wirklich ein Individualist ist. 98% der Leute sind einfach Mitläufer. Dadurch wird aus allem das ‚ankommt‘ die Goethe’sche ‚Kraft, die Gutes will und Böses schafft‘.
    Deshalb:
    paradise your life ! 😉

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