Alles Super im Willy-Brandt-Haus

Von Ronald Pabst

Schockiert stand ich im Willy-Brandt-Haus: Die Alarmglocke schrillte. Da hier mit der SPD-Parteiführung ein nicht gerade unwichtiger Teil von Berlins Politikelite heimisch ist, rechnete ich damit, dass sofort die GSG 9 eingreifen würde. Und das Schlimmste: Ich hatte den Alarm ausgelöst. Dabei hatte ich nur den Weg zum WC gesucht, das ich fälschlicherweise hinter der weißen, alarmgesicherten Milchglastür des Treppenhauses vermutet hatte.

Was tun? Abhauen oder auf die Einsatzkräfte warten? Wie teuer ist es wohl, hier einen Fehlalarm auszulösen? Nun, ich entschied mich dafür, den Ort aufzusuchen, den ich gesucht hatte. Denn mittlerweile hatte ich entdeckt, dass der Weg dorthin eben nicht über die große offene Tür in der Nähe des Zeichens „WC“ führte, sondern durch eine kleine, in eine holzvertäfelte Wand eingelassene Tür, die man einfach übersehen muss – obwohl sich das Schild direkt darüber befindet. Zurück in der Innenhalle konnte ich die SPD-Mitarbeiter beobachten: Alle blieben seelenruhig sitzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ein Wachmann und schaltete den Alarm ab. Ich stellte mich als Übeltäter, aber es interessierte ihn nicht. Er entschuldigte sich für die Wartezeit und ging. Und tatsächlich: Das wird häufiger vorkommen. Denn die Verwechslungsgefahr ist sehr groß; das habe ich durch eine Feldstudie belegt. Ich blieb in der Raucherecke vor dem Kasino und beobachtete. Viele Gäste der Tagung kamen nach mir an, und keiner fand auf Anhieb die Tür zum entlastenden Ort. Sie wären durch die breite, offenstehende Tür gegangen – hätte ich ihnen mein Insiderwissen nicht rechtzeitig weitergegeben.

Daraus kann man viel lernen, zum Beispiel über die Gestaltung von Internetseiten. Sind diese falsch entworfen, verirren sich die Benutzer im Informationsangebot, und Ihr Personal muss es ausbaden. Oder Ihre Kunden wandern frustriert ab zur Konkurrenz. Und solche Fehler passieren leicht. So habe ich kürzlich viele Nutzer von der Bestellung eines Newsletters ausgeschlossen, in dem ich nachträglich eine Abfrage des Bundeslands einfügte, damit sie die passenden Informationen aus ihrer Region bekommen. Und damit habe ich den größten Teil der Internetgemeinde ausgeschlossen, der ja jenseits der deutschen Grenze wohnt.

Nach dem Hinweis eines Lesers aus Österreich behob ich den Missstand umgehend. Das ist ja das Gute am Internet: Man bekommt laufend nützliche Informationen. Man muss nur lernen, zwischen Spam und Wichtigem zu unterscheiden.

Weniger nützlich hingegen sind die Informationen auf dem Zapfhahn einer großen Mineralölkette. „Superdiesel“ steht da drauf. Und sofort leuchtet eine rote Lampe: Verwechslungsgefahr. Ein kleine Recherche im Internet bringt es an den Tag: Um die 500 Euro kostete es einen armen Schlucker, als er hier Diesel statt Super einfüllte – den Spott seiner Frau und der User des Forums motortalk gab es gratis dazu. Dabei sind diese Witze nicht angebracht. Ich halte es mit User Dennie, der folgenden Beitrag schrieb: „Diese […] Unsitte, auf die Heizöl-Zapfsäule bei Aral immer SUPERdiesel draufzuschreiben hat mich auch schon ein zwei mal halb wuschig gemacht beim Tanken. Es gibt SUPER und es gibt DIESEL, warum man beides zusammen auf eine Zapfsäule schreiben muss, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.“ (sic!) Er hat einen Fall aus dem Jahr 2007 kommentiert. Doch die Frage steht schon seit längerem im Raum, wie die weitere Internetrecherche ergibt: „Seit seine Firma einen verbesserten Dieselkraftstoff als ‚Super-Diesel‘ verkauft, hat der Aral-Pressesprecher zusätzliche Schreibarbeit. Er muß Beschwerdebriefe von Pkw-Fahrern beantworten, die Super-Diesel mit Super-Benzin verwechseln und so den Motor ihres Wagens ruinieren. „Das sind natürlich vor allem Vollakademiker“, mokiert sich der promovierte Aral-Mann über diese Kunden. Nachzulesen im Spiegel vom 18.12.1988 (!).“

Also verwirrt Aral seine Kunden seit zwanzig Jahren. Reife Leistung. Vielleicht ist das schon einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde wert. Aber gibt es nun etwas Besonderes an diesem „Superdiesel“? Als investigativ arbeitender Journalist mache ich nicht nur Internetrecherchen, nein, ich habe persönlich an einer Aral-Tankstelle nachgefragt. Mein Auto könne damit fliegen, versicherte mir lachend der Tankwart, um mir dann glaubhaft zu versichern, dass es normaler Diesel sei, den ich beruhigt in mein Auto füllen könne. Dabei habe ich bislang immer, auf das Handbuch vertrauend, Normalbenzin getankt.

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Quelle zum weiter lesen: http://zerban.de/kolumne.htm. Dort übrigens auch „das gesprochene Wort“ dieses Artikels und weitere Informationen über unseren Netzwerk-Partner Ronald Pabst von Mehr Demokratie e.V.

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